Bei all diesen Einschränkungen müssen wir uns klar machen: Wir drehen zwar oft nur an kleinen Schrauben, aber auch die können große Unterschiede machen. Ob Rückhalt für Ehrenamtliche, Feste, die das Miteinander stärken, eine einsatzfähige Feuerwehr oder eine KiTa, in die alle gerne gehen – Kommunalpolitik ist wichtig!

Sie lässt viel zu wenig Spielraum für die Lösung unserer Probleme und fast keinen mehr für die Gestaltung des sozialen und kulturellen Lebens, das wir als Kitt gerade in Konfliktsituationen brauchen, über die kommunalen Pflichtausgaben hinaus. Natürlich würde ich gerne kostenlose KiTas, kostenlosen ÖPNV, Solarförderung, Festivals und kommunalen Wohnungsbau versprechen. Das ist aber in absehbarer Zeit nicht möglich, wenn die Finanzierung der Kommunen nicht wesentlich verbessert wird (und im Übrigen nicht Entscheidung der Oberbürgermeisterin, sondern des Stadtrats). Dafür will ich mich, auch bei mäßigen Erfolgsaussichten, gegenüber Bundes- und Landesebene stark machen – ganz gleich, welche Parteien dort gerade in Regierungsverantwortung sind.

Auch in anderen Bereichen gilt, dass viele Regeln und Rahmenbedingungen, die das Leben in Germering und seine Gestaltung vor Ort ganz wesentlich beeinflussen, auf anderen politischen Ebenen getroffen werden – in der Baugesetzgebung zum Beispiel oder bei der Verkehrsplanung. Innerhalb dieser Grenzen müssen wir unsere Gestaltungsmöglichkeiten ausnutzen und gelegentlich um die eine oder andere Ecke denken.

Die Klimakrise, ihre dringend nötige Abmilderung und vor allem ihre Folgen, werden uns vor immer größere Herausforderungen stellen: Starkregenereignisse, Hitzesommer, Dürreperioden. Die Erwachsenen von morgen brauchen für solche Herausforderungen qualitativ hochwertige Bildung, die Kreativität, kritisches Denken, Problemlösefähigkeiten und soziale Kompetenzen fördert. Aber gegen Fachkräftemangel gibt es keine Patentlösungen, Kommunen konkurrieren miteinander um qualifiziertes Personal in der Kinderbetreuung, der Digitalisierung oder dem Bauwesen.

Das bedeutet auch, bei vertretbarem Risiko Neues auszuprobieren, wenn es noch nicht letztinstanzlich von Gerichten bestätigt wurde. Vor allem aber möchte ich Innovationen und Versuche in kleinerem Umfang zum Beispiel im Kulturbereich, bei den sozialen Angeboten oder der Förderung von Klimaschutz und -anpassung ermöglichen. Die Zukunft braucht kreative Lösungen. Dabei kann es um experimentelle Kulturveranstaltungen gehen, um Zwischennutzungen, die Vermietung von städtischen Räumen an junge Menschen oder einfach um eine Testphase für einen Zebrastreifen.

Auch bei der Nachhaltigkeit muss die Stadt als Vorbild vorangehen, deshalb müssen die Potenziale zum Beispiel bei der Effizienzsteigerung oder der nachhaltigen Beschaffung gemeinsam mit den Mitarbeitenden weiter ausgebaut werden. Wie vieles andere ist auch das Teamarbeit.

In Bezug auf die Verwaltungsstrukturen heißt das zum Beispiel weniger Unterlagen auszudrucken, die digitalen Zugänge für Bürger:innen weiter auszubauen und verwaltungsintern die Arbeitszeiterfassung auch bei Home-Office und Gleitzeit digital abzuwickeln. Wo sie einen echten Mehrwert im Hinblick auf Personalaufwand und Ressourcen wie Strom bringt, kann passende Software das Rathaus moderner gestalten – persönliche Ansprechpartner:innen für die Anliegen der Bürger:innen muss es aber weiterhin geben.

Ich glaube, dass in unserer Verwaltung, den Einrichtungen und Eigenbetrieben, ungehobene Schätze schlummern. Als ich 2014/15 meinen Bundesfreiwilligendienst in einer der Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit absolviert habe, ist mir aufgefallen, das politische Beschlüsse zum Teil gar nicht oder bis zur Unverstehbarkeit verzerrt dort ankommen. Umgekehrt versickern gute Ideen oder wichtige Einwände der Basis zu oft auf dem Weg in die politischen Ebenen – deshalb will ich die formalen Kommunikationswege um informellere Gesprächsmöglichkeiten (verwaltungsintern und mit Bürger:innen) ergänzen, z. B. durch Formate wie „Auf einen Kaffee mit Sophie“ in wechselnden Germeringer Cafés, den Ausbau der Jugendsprechstunde an den Schulen und eine Mitarbeiter:innensprechstunde analog zur Bürger:innensprechstunde.

Wichtig ist mir – innerhalb der Verwaltung, in den politischen Gremien und mit den Bürger:innen – ein respektvoller, aufrichtiger Umgang, der konstruktive Kritik und die gemeinsame Entwicklung von Ideen möglich macht. Wir müssen im Stadtrat zwischen den Fraktionen miteinander reden, aber auch mit den Bürger:innen und die Bürger:innen untereinander. Unterschiedliche Meinungen und Bewertungen müssen wir (wieder) aushalten lernen. Wichtig sind mir wissenschaftliche Fakten als Basis, aber die Konsequenzen, die wir politisch und im Verwaltungshandeln daraus ziehen, sind gemeinsam auszuhandeln. Ziel ist dabei Konsens, aber wenn der nicht möglich ist, der bestmögliche Kompromiss. Dass es vielfach Pro- und Contra-Argumente gibt, dass viele positive Entwicklungen kleinere oder größere unerwünschte Nebenfolgen haben, gilt es transparent zu kommunizieren.